Dienstag, 15. Juli 2014

Lernen 2.0: Artikelreihe von Martin Lindner

Auf dem Blog #pb21 der Bundeszentrale für politische Bildung ist heute der erste Teil einer Artikelreihe von Martin Lindner erschienen, die unter dem Titel "Die Bildung und das Netz - Lernen im digitalen Klimawandel" sechs Beiträge versammelt, die in den nächsten Wochen erscheinen werden:
  • Teil 1: Der große Bruch
  • Teil 2: Gute Alte Bürgerliche Bildung (August 2014)
  • Teil 3: Bildung von oben (September 2014)
  • Teil 4: Die unsichtbare Akademie (Oktober 2014)
  • Teil 5: Bildung von unten (November 2014)
  • Teil 6: Guerilla-Lernen in der flachen Welt (Dezember 2014)
Zum einleitenden Beitrag, der auch ein Interview mit dem Autor umfasst, geht es hier...

Samstag, 28. Juni 2014

Browseroptimierung, hier: Google Chrome

Browser kann man optimieren, aber unterschiedlich. Etliches kann man bereits im Browser unter "Einstellungen" regeln, für anderes gibt es AddOns oder Erweiterungen. Aber wie mit zu vielen Registerblättern ist es mit zu vielen AddOns oder Erweiterungen, sie fressen Platz im Arbeitsspeicher und mindern damit die Performanz des Computers. Man sollte sich daher beschränken auf das, was man wirklich braucht. Da man AddOns inaktiv schalten kann, ist man nicht gezwungen, sie zu löschen und bei Bedarf wieder nach ihnen zu suchen! Wichtig ist auch, das auszureizen, was bereits "an Bord" ist. Hier kam gestern eine nette (englischsprachige) Liste von Tipps bezüglich des Browsers Google Chrome. Den Punkt 11, Bezeichnungen von Bookmarks auf der Lesezeichenleiste zu kürzen, um mehr in den sichtbaren Bereich zu bekommen, würde ich noch ergänzen um die Möglichkeit, dass man auf der Lesezeichenleiste auch Ordner anlegen kann, so dass man bestimmte Typen von Bookmarks (z.B. Loginseiten) in einem Ordner - ja, sogar in Unterordnern - strukturieren kann.

Samstag, 14. Juni 2014

Neue Suchmaschine Instant RSS Search

Die Spezialsuchmaschine Instant RSS Search fühlt sich sehr gut an. Gibt man ein Stichwort wie z.B. “politikberatung” ein, so werden einem Feeds als Ergebnisse angezeigt, die man mit "preview feed" inhaltlich ansehen kann. Die Ergebnisse sind recht aussagekräftig. Dagegen ist RSS micro, ebenfalls eine RSS-Suchmaschine, offensichtlich etwas in die Jahre gekommen.

Vielleicht etwas zum Sinn dieser Sache: RSS-Feeds sind Angebote von Webseiten, Datenbanken und Web 2.0-Diensten, mit deren Hilfe man über Aktualisierungen auf dem Laufenden gehalten wird. Ja, wie bei Facebook, beispielsweise, nur dass Sie Ihre Facebook-Timeline nicht strukturieren können und mittlerweile auch gar nicht mehr alles zu sehen bekommen. Da geht es mit einem RSS-Reader sehr viel besser, sich bezüglich fachlicher Inhalte auf dem Laufenden zu halten!

Montag, 12. Mai 2014

Neues Buch: Reflexionen zur Websuche

Das Institute of Network Cultures hat ein interessantes neues Buch zum Thema Internetrecherche veröffentlicht:
René König and Miriam Rasch (eds), Society of the Query Reader: Reflections on Web Search, Amsterdam: Institute of Network Cultures, 2014. ISBN: 978-90-818575-8-1, paperback, 292 pages.
Es kann als Druckausgabe bestellt, online gelesen oder als pdf heruntergeladen werden (ausgehend von dieser Seite). Die Kurzbeschreibung liest sich so:
"Looking up something online is one of the most common applications of the web. Whether with a laptop or smartphone, we search the web from wherever we are, at any given moment. ‘Googling’ has become so entwined in our daily routines that we rarely question it. However, search engines such as Google or Bing determine what part of the web we get to see, shaping our knowledge and perceptions of the world. But there is a world beyond Google – geographically, culturally, and technologically."
Auf der Seite "Publications" stößt man noch auf weitere einschlägige Veröffentlichungen zu Themen rund um Web und Social Media. Das Institut beschreibt sich selbst folgendermaßen:
"The Institute of Network Cultures is a media research centre that actively contributes to the field of network cultures through research, events, publications and online dialogue. The INC was founded in 2004 by media theorist Geert Lovink, following his appointment as professor within the Institute of Interactive Media at the Amsterdam University of Applied Sciences (Hogeschool van Amsterdam)."

Sonntag, 13. April 2014

David Weinberger: Wissen 2.0

In 12 Minuten gelingt es David Weinberger, viele der Grundgedanken seines hervorragenden Buches zum Wissen im Internetzeitalter zusammenzufassen ("Too Big To Know").

(1) Was wir unter "Wissen" verstehen, wurde in höherem Maße, als es uns lieb ist, vom Medium des Wissens und dessen Beschränkungen bestimmt (Papier, Bücher, Bibliotheken). Dieses Medium ist nun das Web, wodurch sich auch das, was wir als "Wissen" bezeichnen, grundlegend ändert.

(2) Im Zeitalter des Papiers (und damit der Begrenzung) wurden Inhalte herausgefiltert (von Redakteuren, Lektoren, Bibliotheken etc.); es handelte sich um ein reduktionistisches Vorgehen. Im Internetzeitalter werden Inhalte "nach vorne gefiltert", indem man einen Link zu ihnen setzt. Davon bleiben die vielen anderen Inhalte unberührt.



Wem das Video Lust auf mehr gemacht hat, dem seien neben dem Blog von David Weinberger die folgenden beiden Bücher empfohlen, die jeweils auch in deutscher Übersetzung erschienen sind:

     

Mittwoch, 26. März 2014

Wikimindmap ist zurück

Es gibt unzählige Suchinstrumente im Web, deren Sinn in der Regel darin besteht, dass sie Ihnen dabei helfen, schneller das zu finden, wonach Sie suchen. Aber was macht man eigentlich, wenn man gar nicht weiß, wonach man sucht? Sagen Sie nicht, das gebe es nicht. Es vergeht kaum ein Monat, in dem wir nicht wenigstens ein Mal die Suchhilfe Wikimindmap (http://www.wikimindmap.org) aufsuchen, um uns schnell einen ersten Überblick über ein neues Themengebiet zu verschaffen. Umso bedauerlicher war es, dass Wikimindmap in den letzten Wochen offline war, und umso erfreulicher ist es, dass die Suchhilfe nun wieder zurück ist.

Für was lässt sich Wikimindmap einsetzen? Stellen Sie sich einen Abiturienten vor, der studieren möchte, sich aber noch nicht richtig schlüssig ist, welches Fach es sein soll. Politikwissenschaft oder Soziologie könnten ganz interessant sein, so denkt er, und beschließt, zu Google zu surfen, um etwas mehr über diese beiden Disziplinen zu erfahren. Das ernüchternde Ergebnis: Zu beiden erhält er eine gigantische Anzahl von Quellen angezeigt (2,9 Mio bzw. 8,0 Mio am 19.11.2012), aber keine Hinweise dazu, worum es in den beiden Fächern geht und was Schlüsselfragen oder wichtige Teilbereiche sind.

Probieren Sie selbst, was passiert wäre, wenn er stattdessen Wikimindmap verwendet hätte: Rufen Sie die Suchhilfe auf, wählen Sie unter “Select a Wiki” die deutsche Wikipedia aus (de.wikipedia.org) und geben Sie unter “Enter your Topic” den Begriff “Politikwissenschaft” ein. Wikimindmap durchsucht Wikipedia und zeigt die Resultate in Form einer Mindmap an. Die Unterschiede sind evident. Wikimindmap verschafft auf einen Blick eine Übersicht über die Disziplin und ihre zentralen Teilbereiche und stellt einen hervorragenden Ausgangspunkt dafür dar, diesen Überblick zu erweitern und zu vertiefen.

Zur Handhabung: Um mehr über einen Bereich zu erfahren, klicken Sie einfach auf das Pluszeichen am Ende eines Zweiges, womit sich der Zweig weiter öffnet. Ein Klick auf die grünen Pfeile generiert eine neue Mindmap mit dem jeweiligen Stichwort im Zentrum. Ein Mausklick auf den Text eines Zweiges schließlich öffnet eine neue Registerkarte in Ihrem Browser und zeigt Ihnen den entsprechenden Artikel in Wikipedia an.

Selbstverständlich können Sie nicht nur die deutsche oder englische, sondern auch zahlreiche andere Sprachversionen von Wikipedia auf diese Weise durchsuchen. Bedenken Sie aber, dass die englische Wikipedia (http://en.wikipedia.org) den weitaus umfangreichsten Wissensbestand aufweist.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Freie Software zum Memorieren und Lernen

Gestern in einer Fortbildung hatte ein Kollege einen guten Tipp: Eine Software, die auf verschiedenen Plattformen (kostenpflichtig für Apple-Produkte) läuft und es erlaubt, Lernstoff zum Lernen und selbst Prüfen anzulegen. Wie Vokabelkarten, nur vielfältiger, auch mit Multimedia unterlegbar und wird über die unterschiedlichsten Gerätarten hinweg synchronisiert. Anki: Remember Anything, Remember Anywhere, Remember Efficiently.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Neuigkeiten bei Google News

Beim Handhaben von Google-Produkten erlebt man in letzter Zeit immer wieder Überraschungen. So gestern in Google News: Wenn man eine Suche durchführt, wird die Ergebnisseite nicht mehr in der Google News-Umgebung dargestellt, sondern in der normalen Google-Suchmaschinenansicht mit dem Reiter "News". Das ist nicht so tragisch? Es hat Folgen:

1. in der Navigation Es gibt keinen Button zurück zur Google News-Oberfläche, man muss den Back-Button bedienen, um wieder zurück zu kommen. Nun gut, das ist läßlich, zumal man oben im Suchschlitz weitere Suchbegriffe ergänzen oder neue eingeben kann. Gleichwohl, wenn man wieder zurück zur genuinen Oberfläche der Zeitungssuchmaschine kommen will, ist das nicht mehr intuitiv möglich. Und das braucht man beispielsweise für

2. in der erweiterten Suche Schon bisher war die erweiterte Suche gewandert von einem Link ganz in der Nähe des Suchfensters in dieses "Optionen"-Rädchen, das auf der Ergebnisseite oben rechts angezeigt wird. Doch jetzt ist hier leider Fehlanzeige. Nach Probieren stellt sich heraus, dass das jetzt im Suchfenster von Google News sich hinter einem kleinen Dreieck verbirgt, das ein Aufklappfenster mit Optionen generiert. Nämlich so:

3. im Alerting Und mit der Anzeige der Ergebnisse in der normalen Suchmaschine ist auch die Anzeige des Alertings weggefallen, das bisher für unangemeldete Nutzer/innen per E-Mail und für jene mit einem Google-Account auch per RSS möglich ist. Die Option besteht noch über Google Alerts, wo Sie auf "News" eingrenzen können. Auf der Hauptseite von Google News wird es am Fuß unter "Über Google News" auch korrekt unter dem Begriff "Benachrichtigungen" als Option mit aufgeführt. - Aber es ist mal wieder optisch eine sinnvolle Option verschwunden - ironischerweise zu dem Zeitpunkt, in dem für personalisierte Google News geworben wird, die nicht per Stichwort, sondern eben per Schieberegler funktionieren (oben rechts auf der Google News-Seite).

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Browserneuigkeiten

Google Chrome erlaubt ab Januar 2014 nur noch Extensions [via ghacks.net], die im Chrome Web Store aufgelistet werden. Als Begründung wird angeführt, dass über manche Extensions Malware an den Schutzmaßnahmen des Browsers vorbei eingeschleust werden. Außerdem sollen ab Sommer die Extensions einfacher und eindimensionaler werden, damit auch der Ressourcenverbrauch sich in Grenzen hält. [via liliputing] Einige machen sich deshalb auf zu alten Ufern und migrieren zu Firefox. David Haden hat im Jurn-Blog einen 10-Punkte-Plan aufgestellt, wie man am besten migriert. Irgendwie ist dies eine alte Geschichte, manche würden sagen: ein alter Ärger. Wer sich erinnert: Firefox galt einmal als schneller Browser, sehr viel schneller als der Internet Explorer. Viele wechselten dorthin und man konnte Firefox mit Hilfe der AddOns auch wunderbar an seine Bedürfnisse anpassen. Nur verlor der Browser dadurch nach und nach seine Schnelligkeit: Wenn man viele AddOns installiert hatte, dann konnte man warten, bis der Browser startete. Zusätzlichen Ärger brachte der beschleunigte Versionswechsel von Firefox: Hier waren dann immer ein Teil der AddOns nicht kompatibel und man musste so entweder temporär oder ganz auf lieb gewonnene Funktionalitäten verzichten. (Es gehört einem einfach nichts im Netz, alles kann von jetzt auf nachher weg sein). Man wechselte deshalb gerne zu Chrome, der schnell war (oh, diese Versprechungen am Anfang, sei es beim Betriebssystem, sei es aber auch bei Anwendungen ...) und ebenfalls eine wachsende Anzahl von Extensions - so heißen hier die AddOns - bot. Wunderbar! Auch zusätzliche Funktionalitäten wie z.B. die Übersetzung von angezeigten Webseiten sind nicht zu verachten. Und nun dies! Da wird man also auf manches verzichten müssen, vielleicht aber auch nicht, falls die Entwickler von bisher frei angebotenen Extensions das noch in den Store einfügen. Generell gilt sowieso, dass man möglichst mit mehreren Browsern arbeiten sollte, um beweglich zu bleiben. Neben dem Firefox gibt es übrigens noch Pale Moon, einen Browser, der auf Mozilla-Technologie beruht, aber bezüglich Schnelligkeit optimiert ist. Er kann mit Firefox-AddOns bestückt werden, stellt also eine Alternative dar. Opera fühlt sich nach wie vor recht schnell an, kann aber nicht mit Hilfe von AddOns angepasst werden wie Mozilla Firefox und Chrome. Und Safari ist auch noch eine Alternative, die eine gewisse Anzahl an Erweiterungen bietet.

Samstag, 30. November 2013

Suche im Inhalt von Open Access-Zeitschriften

Mit der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB), mit der Zeitschriftendatenbank (ZDB) und dem Directory of Open Access Journals (DOAJ) gibt es drei Suchinstrumente, mit deren Hilfe man leicht die Homepages von freien eJournals findet. Wenn man sich aber nicht mit der Ebene der Aufsätze zufrieden geben möchte, sondern mit Hilfe von Stichworten recherchieren will, ist das schwierig. Ein vom Umfang her schlecht bestimmbarer Teil dieser Open Access Journals ist auch in (Fach-)Datenbanken erschlossen, einige geben auf ihrer Homepage Auskunft, in welchen - Standard ist dies aber nicht! Man kann sich mit folgender Methode behelfen, indem man sich einer Suchmaschine bedient:
  • kopieren Sie die Webadresse der Homepage der Zeitschrift;
  • laden Sie Google;
  • geben Sie "site:" ein und setzen die Webadresse der Zeitschrift mit der Tastenkombination "strg" + "v" direkt dahinter;
  • geben Sie Ihre Suchwörter ein und setzen Sie sie in Anführungszeichen.
Wenn Sie die Suche losschicken, bekommen Sie nur Ergebnisse aus der Zeitschrift selbst.

Mittwoch, 6. November 2013

iGoogle ist nicht mehr

iGoogle war die Startpage von Google. So genannte Home- oder Startpages wurden vor ca. 10 Jahren von den großen Providern - MSN, Yahoo! und Google - erfunden, damit Nutzer möglichst flexible, personalisierbare, inhaltsreiche Seiten anlegen können, die sie als ihre "Startseite" im Browser verwenden sollten. Ein "Honigtopf" also, verlockend, um die Leute anzuziehen und klebrig, um sie nicht wieder loszulassen. Heute ist das Facebook ... Gleichwohl: die Funktionalität dieser Seiten war so gut, dass man sie gerne verwendete. Es kamen auch kleine Startups, die das nachprogrammierten, wie beispielsweise netvibes. iGoogle war sehr beliebt, weil einerseits die Integration mit anderen Google-Diensten gut lief, aber auch, weil die Seite sehr gut angepaßt werden konnte. Manche machten sie zu ihrer Nachrichtenzentrale. Jedenfalls hat Google schon länger angekündigt, dass die Seite am 01.11.2013 schließt und so ist es nun gekommen. Alternativen? Phil Bradley stellt deren 24 vor: Da müßte doch etwas zu finden sein? Ich habe gestern iGoogle-Portal angeschaut, das dem ursprünglichen iGoogle zu entsprechen scheint. Wenn man so etwas für sich einrichtet, sollte man darauf achten,
  • dass hinzufügen und abwählen leicht vonstatten geht,
  • dass Registerblätter einem helfen, die Informationsquellen zu gliedern,
  • dass es möglichst gut anpaßbar an die eigenen Zwecke ist.
Dazu gehört, dass man einzelne Registerblätter gemeinsam nutzen und ggf. veröffentlichen kann, Web 2.0-Funktionalität, wenn man so will.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Medienwissen kompakt: Social Media

Das neue Buch "Social Media" von Jan-Hinrik Schmidt löst das ein, was der Titel der Reihe ("Medienwissen kompakt") verspricht, in der es erschienen ist. Es handelt sich um eine auf exakt 100 Seiten komprimierte Darstellung des Web 2.0 (bzw. der Sozialen Medien bzw. des Sozialen Webs) aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht, die rundum gelungen ist. Klar und anschaulich geschrieben, ordnet es zentrale Informationen und Debatten rund um "das neue Netz" (so der Titel einer früheren Veröffentlichung des Autors) anhand von Leitfragen wie:
  • Verschwindet durch soziale Medien die Privatsphäre? (Kapitel 3: Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien)
  • Machen soziale Medien jeden zum Journalisten? (Kapitel 4: Medienöffentlichkeit und Journalismus)
  • Bringen soziale Medien Wissen für alle? (Kapitel 5: Teilhabe an Wissenswelten)
  • Sind die sozialen Medien partizipativ? (Kapitel 6: Das Partizipationsparadox)
Der unscharfe Begriff "soziale Medien" lässt sich nach Schmidt durch zwei zentrale Merkmale eingrenzen: "bessere Möglichkeiten, Inhalte online zu veröffentlichen und zu bearbeiten sowie besserer Austausch mit anderen" (S. 11). Entscheidend für das Verständnis ist, "dass soziale Medien einen neuartigen Raum zwischen der massenmedialen und der interpersonalen Kommunikation schaffen und einnehmen" (S. 11). Der Autor unterscheidet vier "Gattungen" von sozialen Medien (S. 11-14):
  • Netzwerkplattformen (= Soziale Netzwerke, Platzhirsch: Facebook)
  • Multimediaplattformen (YouTube für Videos, Flickr für Fotos etc.)
  • Blogs (inkl. Microblogs, Platzhirsch: Twitter)
  • Wikis (allen voran Wikipedia)
Der Satz, der einer Definition am nächsten kommt, findet sich auf S. 16, wenn der Begriff "soziale Medien" bezeichnet wird
"... als Sammelbegriff für bestimmte Angebote und Formen digital vernetzter Medien, die das onlinebasierte Bearbeiten und Veröffentlichen von Inhalten aller Art sowie die Beziehungspflege und den Austausch zwischen Menschen erleichtern."
Dabei seien zwei wichtige Aspekte immer im Hinterkopf zu behalten:
"Soziale Medien entfalten erst im Zusammenspiel mit Menschen, die sie für ihre Zwecke einsetzen, ihre Wirkung. Und diese Wirkung ist Teil unseres alltäglichen Lebens, nicht auf eine virtuelle Realität beschränkt" (S. 21).
Besonders gelungen ist das dritte Kapitel, in dem Schmidt den für das Verständnis des Web 2.0 außerordentlich wichtigen Begriff der "persönlichen Öffentlichkeiten" einführt und erläutert. Es handelt sich um einen (auch medienhistorisch) neuen Typ von Öffentlichkeit, der an die Seite der Medienöffentlichkeit tritt und mit dieser vielfach verwoben ist.
"Zusammengefasst entstehen persönliche Öffentlichkeiten in den sozialen Medien also dort, wo Menschen Informationen von persönlicher Relevanz für ihr erweitertes soziales Netzwerk zugänglich machen und damit einen Austausch mit anderen anstoßen möchten" (S. 27).
Damit ändert sich das, was man "öffentliche Kommunikation" nennen könnte, grundlegend:
"Journalistische Medien schaffen gesellschaftliche Öffentlichkeit für Themen von breiter Relevanz, soziale Medien ermöglichen persönliche Öffentlichkeiten, in denen Menschen mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt bleiben können" (S. 28).
Den "Wandel von Medienöffentlichkeit" (S. 43) nimmt das vierte Kapitel unter die Lupe, das in dem Konzept der "vernetzten Öffentlichkeit" gipfelt:
"Soziale Medien schaffen somit 'vernetzte Öffentlichkeit' in dreifacher Hinsicht: Sie beruhen technisch gesehen auf vernetzten Computern, in sozialer Hinsicht auf Beziehungsnetzwerken zwischen Menschen, die wiederum miteinander verknüpfte Informationsströme teilen" (S. 52).
Dabei zeigt sich, dass soziale Medien die traditionellen Medien nicht etwa überflüssig machen, sondern den Journalismus im klassischen Sinn bei dessen Hauptfunktionen sogar unterstützen können ("die Bürger über aktuelle, relevante Themen zu informieren, Transparenz für Vorgänge in der Gesellschaft herzustellen und Raum für Diskussionen über gemeinsame Werte und Ziele zu schaffen", S. 56).

Das fünfte Kapitel widmet sich verschiedenen Möglichkeiten, wie angesichts des vielbeschworenen "information overload" Orientierung zu erlangen ist (Algorithmen, Bewertungen, Tagging etc.). Hierunter subsumiert der Autor auch das Wiki-Prinzip, das vor allem anhand der Wikipedia dargestellt wird (S. 66 ff.).

Im sechsten Kapitel weist Schmidt auf das Partizipationsparadox hin, das kurz gesagt darin besteht, dass die Web 2.0-Plattformen einerseits von der Beteiligung der Nutzer leben, als kommerzielle Dienste die Nutzer aber andererseits nicht beteiligen, wenn es um die Ausgestaltung der Plattformen geht.

Im Fazit (Kapitel 7) wagt der Autor eine Prognose, wenn er über die Zukunft der sozialen Medien schreibt:
"Doch soziale Medien erfüllen so viele Zwecke - sie machen persönliche Öffentlichkeiten möglich, erleichtern die rasche Verbreitung von Informationen, unterstützen Zusammenarbeit und das gemeinsame Sammeln, Filtern und Bearbeiten von Wissen -, dass die Prinzipien von Netzwerk- oder Videoplattformen, Wikis oder Blogs nicht wieder verschwinden werden, egal wie die Anbieter heißen" (S. 99).

Das Buch schließt mit dem Appell an uns alle, unseren Einfluss auf soziale Medien wahrzunehmen und das Feld nicht (kampflos) den großen Anbietern zu überlassen.

  

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Recherche 2.0 - unser neues Buch zur Internetrecherche im Web 2.0-Zeitalter

Nun ist es (endlich) erschienen, unser neues Buch: "Recherche 2.0. Finden und Weiterverarbeiten in Studium und Beruf". Jürgen Plieninger, Christian Rapp und ich versuchen darin, eine praxisnahe Anleitung zur professionellen Internetrecherche und zum webbasierten Wissensmanagement zu geben. Im Klappentext steht:

"Diese Einführung unterscheidet sich von anderen, indem sie breit in die wissenschaftliche Internetrecherche einführt, das methodische Vorgehen und die Analyse der Ergebnisse eingehend behandelt und vor allem die Recherche in und mit Hilfe von Web 2.0-Diensten systematisch berücksichtigt. Dabei wird die Recherche als Teil des umfassenderen Ablaufs „Finden – Bewerten – Festhalten – Auf dem Laufenden bleiben” begriffen. Es werden also über die Recherche hinaus Werkzeuge vorgestellt, mit denen man die Ergebnisse festhalten kann (Notizbücher, soziale Bookmarkdienste und Literaturverwaltung) und es wird behandelt, wie man bezogen auf seine Themen und auf das Recherchieren selbst up to date bleibt. Ein Buch aus der Praxis für die Praxis: für Wissenschaftler, für Studierende und für jene, die bereits im Beruf sind und methodisch umfassend und effektiv das wissenschaftliche Recherchieren lernen wollen."


Die Links, die im Buch vorkommen, haben wir hier gesammelt. Der folgende Text basiert auf der Einleitung des Buches und versucht eine Beschreibung des Inhalts:

Professionelles Recherchieren zählt ohne Zweifel zu den Kernbereichen wissenschaftlichen Arbeitens. Eine sorgfältige Recherche bildet die Grundlage für eine gute wissenschaftliche Arbeit. Aber was heißt eigentlich Recherchieren? Häufig wird darunter verkürzt das Suchen nach Literatur und Inhalten verstanden, das sich mittlerweile überwiegend im Internet abspielt (und dort vor allem bei Google). Das ist aber zu kurz gedacht. Professionelle Recherche umfasst nämlich nicht nur das Finden der benötigten Informationen, sondern schließt das systematische Festhalten dieser Informationen mit ein und fragt auch danach, wie wir in unseren Arbeits- und Interessensgebieten auf dem Laufenden bleiben können.

Und noch ein zweiter Punkt fällt häufig unter den Tisch. Überlegen Sie sich, welches Bild Sie vor Augen haben, wenn Sie an den Vorgang des Recherchierens denken? Wenn es Ihnen geht wie den meisten TeilnehmerInnen unserer Seminare, dann sehen Sie eine Person, die alleine vor dem Bildschirm sitzt (oder am Bücherregal der Bibliothek steht). Recherchieren gilt zu Unrecht immer noch als Einzelsportart. Das wird unserer Welt nicht mehr gerecht. Wir verfügen mit dem Web (2.0) über eine globale Plattform zum Sammeln, Austauschen und gemeinsamen Erstellen von Informationen aller Art. Da kann es nicht überraschen, dass sich auch und gerade das wissenschaftliche Arbeiten grundlegend ändert.

Bezogen auf den Teilbereich Recherche können wir von Recherchieren 2.0 sprechen. Was heißt das? Es bedeutet, dass wir nicht mehr darauf beschränkt sind, uns alleine vor dem Rechner mit Hilfe von Datenbanken und Katalogen die notwendigen Informationen zu beschaffen, sondern dass wir mit Personen aus aller Welt in Verbindung stehen (können), die vergleichbaren Fragestellungen nachgehen. Das ist der Grund dafür, dass wir in diesem Buch durchgängig von zwei Wegen sprechen, um Informationen zu finden, festzuhalten und um auf dem Laufenden zu bleiben: einmal den herkömmlichen Weg über Maschinen (Suchhilfen und ihre Algorithmen) und zum zweiten über Menschen. Recherche im Web 2.0-Zeitalter lässt sich nicht mehr vom Aufbau und der Pflege eines Personal Learning Networks trennen.

Das Web 2.0 wird häufig auch als Lese-/Schreibe-Web bezeichnet und dadurch von dem Web vor dem Aufkommen von Wikis, Blogs und sozialen Netzwerken abgegrenzt, das (weit überwiegend) ein reines Lese-Web war. Der entscheidende Unterschied zum heutigen Web besteht also darin, dass wir Webseiten nicht mehr nur lesen können, wie das in den Anfangsjahren des Internet der Fall war, sondern dass wir problemlos und schnell in der Lage sind, selbst im Web zu veröffentlichen. Das bringt faszinierende neue Möglichkeiten mit sich, bedeutet aber auch, dass wir uns auf die Glaubwürdigkeit dessen, was wir im Internet finden, nicht mehr ohne weiteres verlassen können. Prinzipiell kann heute jeder veröffentlichen, was er will. Bezogen auf die Recherche heißt das, dass dem Bewerten von Informationen eine noch größere Bedeutung zukommt. Diesem Aspekt haben wir deshalb einen eigenen Teil gewidmet. Damit ergibt sich folgende Gliederung in vier Teile:

Finden: Im umfangreichsten Teil des Buches stellen wir Ihnen die wichtigsten Suchdienste und -strategien praxisnah vor. Den Schwerpunkt haben wir auf den Wissenschaftsbetrieb und das Studieren gelegt. Nach einem Abschnitt zu den Grundlagen der Suche beschäftigen wir uns am Beispiel von Google mit der erweiterten Suche. Die dortigen Filtermöglichkeiten erlauben es Ihnen, der Suchmaschine genauer zu “sagen”, was Sie von ihr wollen, und tragen damit zu einer effizienteren Recherche bei. Die Nutzung verschiedener Suchmaschinen steht im Mittelpunkt des folgenden Abschnitts. Wir behandeln allgemeine Suchmaschinen, Meta-Suchmaschinen und werfen einen kurzen Blick auf das Feld der semantischen Suche. Daran schließt sich die Vorstellung spezieller Suchinstrumente an, die es beispielsweise erlauben, sich schnell einen Überblick über ein neues Themengebiet zu verschaffen (Wikimindmap) oder ähnliche Seiten zu finden wie diejenige, auf der man sich gerade befindet.

Einen grundlegend anderen Weg der Recherche bieten die Suchhilfen, die wir uns im Abschnitt “Web 2.0 und Recherche” anschauen. Ging es bislang darum, einen maschinell erstellten Index mit Hilfe der jeweiligen Algorithmen für unsere Suchanliegen zu nutzen, stehen nun die Menschen im Zentrum, die Social Bookmarking-Dienste (Delicious, Diigo) nutzen oder Präsentationen (Slideshare) sowie andere Dokumente zur Verfügung stellen (Scribd, Docstoc). Ein weiterer Abschnitt behandelt einige besonders leistungsfähige Wissenschafts- und Literatursuchmaschinen. Ergänzend dazu bietet der anschließende Abschnitt wichtige Hinweise zum Umgang mit Katalogen und Fachdatenbanken. Ein Beispiel aus unserer beruflichen Praxis rundet die Darstellung ab und zeigt die verschiedenen Suchhilfen im Zusammenspiel.

Bewerten: Im zweiten Teil geben wir Ihnen Hinweise dazu, wie Sie im Rechercheprozess die Verlässlichkeit und Relevanz einer Quelle prüfen können. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten, etwa die Bewertung der Qualität eines Ergebnisses anhand der Qualität der Informationsquelle, der sie entstammt. Eine andere wichtige Möglichkeit besteht darin, dass Sie Ergebnisse vergleichen, um zu einer validen Bewertung zu kommen.

Festhalten: Im dritten Teil geht es darum, wie Sie das, was Sie bei Ihren Recherchen gefunden haben, systematisch festhalten können. Wir stellen Ihnen verschiedene Werkzeuge vor, mit denen sich Inhalte, Links und Literaturangaben so ablegen lassen, dass man sie wieder findet. Das ist natürlich das wichtigste Ziel des webbasierten Wissensmanagements, aber es ist nicht das einzige. Daneben kann wichtig sein, dass Sie von überall her auf Ihre Informationen zugreifen oder dass Sie diese mit anderen teilen können. Zum Festhalten von Links stellen wir Ihnen mit Google Bookmarks und Diigo zwei webbasierte Dienste vor, die das Spektrum an verfügbaren Diensten gut veranschaulichen. Am Beispiel von Evernote geht es um das Festhalten von Inhalten. Ein weiterer ausführlicher Abschnitt widmet sich den für das wissenschaftliche Arbeiten zentralen Literaturverwaltungsprogrammen.

Auf dem Laufenden bleiben: Der vierte Teil zeigt Ihnen verschiedene Wege auf, wie Sie in Ihren Interessens- und Arbeitsgebieten auf dem Laufenden bleiben können. Wie schon beim “Finden” gibt dafür im wesentlichen zwei Wege: Mit Hilfe von Maschinen und mit Hilfe von Menschen. Der Königsweg besteht in der Kombination von beidem. Wir stellen beide Wege vor, einmal den Weg mittels Menschen, mit denen man sich auf Plattformen wie Facebook und Twitter oder auf Diensten wie Diigo oder Worldcat verbindet und aus denen mit der Zeit ein Personal Learning Network entsteht. Zum zweiten den “maschinellen” Weg mittels RSS-Feeds. Hier beschäftigen wir uns damit, wie man RSS-Feeds findet, abonniert, und wie man mit Hilfe eines Feedreaders systematisches Wissensmanagement betreibt und sich ein Archiv zu den Interessens- und Arbeitsgebieten aufbaut. Den Abschluss des Kapitels und damit des Buches bilden einige Hinweise dazu, wie Sie – angesichts der dynamischen Entwicklung im Web – Ihren Werkzeugkoffer für die professionelle Recherche auf dem Laufenden halten können.

Noch ein Hinweis, um Missverständnisse zu vermeiden: Wir haben die Darstellung in vier Teile (Finden – Bewerten – Festhalten – Auf dem Laufenden bleiben) unterteilt, die man für Phasen in einem wohlgeordneten Prozess der Recherche halten könnte. Das ist nicht der Fall, denn jede Recherche ist anders, wohl aber gehören diese vier Teilbereiche zu jeder professionellen Recherche. Die Reihenfolge geht in der Praxis häufig durcheinander und stellt sich, was die Gewichtung der Bereiche und Auswahl der einzusetzenden Instrumente betrifft, für jede Recherche anders dar. Wir hoffen aber, dass wir Ihnen durch die Trennung in vier Teilbereiche Orientierung im komplexen Feld der Recherche ermöglichen können und dass die Vorstellung der wichtigsten Werkzeuge und Vorgehensweisen dazu beitragen wird, Ihre Recherchen nachhaltig zu verbessern.

Das führt uns zum Ziel des Buches: Nach der Lektüre – so hoffen wir – verfügen Sie über ein Arsenal an Werkzeugen und Strategien, um verschiedenste Recherchen effizient zu planen und durchzuführen, von der simplen Suche nach der Antwort auf eine Informationsfrage über den Einstieg in ein neues Themengebiet bis hin zur professionellen Recherche für Ihre Abschlussarbeit.